Welche Felder deckt eine Investmentbank ab?
Bevor die verschiedenen Tätigkeitsfelder einer Investmentbank präsentiert werden, sollte zumindest kurz festgehalten werden, warum Finanzinstitute überhaupt existieren. Grundsätzlich gibt es Finanzinstitute aus dem simplen Grund, dass ein Gros der Menschen das Geld, das nach dem Befriedigen der Konsumbedürfnisse übrig bleibt, spart. Wenn wir also das Geld schon nicht für Bier oder schicke Autos ausgeben können, so legen wir es zumindest für schlechtere Zeiten an, so dass es sich vermehren kann. Da die meisten potenziellen Anleger zumeist nicht darüber informiert sind, wie sie dieses Geld am besten sparen können, haben es sich Finanzinstitute wie Banken, Versicherungen, Pensionsfonds etc. zur Aufgabe gemacht, die Verwaltung dieser Gelder im Sinne des Kunden (und somit eigtl. auch im eigenen Sinne) zu übernehmen. Bei einer sog. Commercial Bank legen Menschen folglich ihr Geld an, oder aber sie leihen sich von der Bank in Form von Krediten Geld. Der Profit der Bank besteht darin, dass sie einen höheren Zinssatz verlangt als denjenigen, den sie selbst zahlt.
Eine Investmentbank kann man aber leider nicht anhand einer solchen Sparbuchmentalität erklären. Sie ist komplexer strukturiert und umfasst mehrere Abteilungen:
Eine Investmentbank berät Institutionen und Unternehmen. Diese Finanzdienstleistungen lassen sich in vier grobe Kategorien unterordnen:
1) Equities
Der Bereich Equities (=Aktien) umfasst mehrere Unterbereiche:
Im Equity Research werden Fragen bzgl. Investmentempfehlungen geklärt. Diese Abteilung publiziert Berichte von Analysten über öffentlich gehandelte Aktien (z. B. die der Deutschen Telekom AG).
Im Bereich Equities sind darüber hinaus auch Trader (=Händler) beschäftigt. Sie arbeiten mit dem Kapital der Bank, aber auch im Namen von Kunden. Trader führen oft auch Transaktionen für Mitarbeiter im Sales durch, die sich um die Kundenbeziehungen bemühen. Die meiste Arbeit für Unternehmen und Institutionen spielt sich hinter der sog. Chinese Wall ab. Hinter der Chinese Wall sind die Informationen nicht mehr öffentlich zugängig, da es sich um private Informationen über den Kunden handelt. Das Trading findet zumeist vor der Chinese Wall statt und läuft seit Jahren digital ab – also findet man hier doch keine schreienden Geldjäger, wie die Filmindustrie suggeriert, sondern lediglich ein paar Trader vor handelsüblichen Bildschirmen.
In Equities wird auch ein großer Teil des Handels mit Derivaten abgehandelt. Ein Derivat ist ein Wertpapier, dessen Wert sich von der Entwicklung eines zu Grunde liegenden Wertpapiers, auch Underlying genannt, ableitet (Derivat: das Abgeleitete). Derivate können beispielsweise auf Aktien als Underlying gehandelt werden, so dass der gesamte Bereich der Equity Derivatives (Aktienderivate) auch unter Equities fällt. Die drei gängigen Derivateabteilungen gelten für jede Art von Derivaten: Im Structuring werden neue Produkte entwickelt und ins bestehende Portfolio eingepasst, im Marketing werden sie den Kunden präsentiert und vertrieben, im Trading werden die Handelsvorgänge am Markt ausgeführt, die mit den Kundenaufträgen zusammenhängen.
2) Debt Capital Markets
Debt umfasst einerseits festverzinsliche Wertpapiere, auch Fixed Income genannt. Des Weiteren findet man in den gängigen Debt-Abteilungen das Pendant zu den Equity Derivatives, nämlich Credit Derivatives. Neben Fixed Income und Credit Derivatives gibt es noch die Gruppen für Leveraged Finance, die sich mit der Fremdkapitalaufnahme bei Akquisitionstransaktionen beschäftigen. Mit dieser Arbeit unterstützen sie oft Kollegen aus der Investment-Banking-Abteilung.
Equities und Debt werden zumeist unter Capital Markets (=kapitalmarkt-bezogene Aktivitäten) zusammengefasst. Interessant ist, dass Capital-Markets-Abteilungen grundsätzlich zur Investmentbank gehören, aber nie zu den sog. „Investment Banking Divisions“ (IBDs) zählen.
3) Investmentbanking
In den Investmentbanking Divisions findet man zumeist zwei Bereiche: Private-Equity-Gruppen planen Unternehmenskäufe unter Beanspruchung von Fremdkapital, und zwar in Kooperation mit den Kollegen aus Leveraged Finance. Des Weiteren zeigen sie aber auch Interesse an sog. Early-Stage-Investments, für die angesichts des Risikoprofils des Investments nur Eigenkapital („Private Equity“ eben) in Frage kommt. Zu guter Letzt gibt es die Mergers & Acquisitions (kurz: M&A), die wohl bekannteste Abteilung einer Investmentbank. Hier werden Fusionen und Übernahmen bearbeitet, Unternehmensbewertungen vorgenommen und Verkäufe durchorganisiert.
4) Private Wealth Management
Im Private Wealth Management werden Lösungen zur Vermögensverwaltung extrem reicher Kunden angeboten. Diese Lösungen können sehr komplexe Investmentstrategien und Portfolios umfassen.
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