Morgan Stanley (M&A)


Zeitpunkt des Interviews: Februar 2004

 

Stelle: Praktikant in der Investmentbanking Division

 

Allgemeines zum Bewerbungsprozess:

 

Ein squeaker.net-Mitglied berichtet:

Ich habe mich knapp vor Auslaufen der Deadline online beworben und wurde zwei Wochen später zu Interviews in Frankfurt eingeladen. Das Bewerbungsprozedere verteilt sich auf zwei Runden. In der ersten Runde werden drei Einzelinterviews in Frankfurt geführt. Das ist ein spezifi-scher Zeitraum, in dem offenbar alle deutschen Kandidaten interviewt worden sind, so dass bis zu einem Stichtag seitens Morgan Stanley Frankfurt festgelegt wurde, wer weiter zu einem AC nach London eingeladen wird. Dieses fand in der Woche nach meinem Einzelinterview statt.

 

Ablauf Interviews / konkrete Fragen:

 

Während der Einzelinterviews in Frankfurt tastete man mich eher persönlich als fachlich ab. Ein 1st-year-Analyst hatte an derselben Hochschule wie ich studiert, so dass wir lediglich meinen CV durchgingen. Ein 3rd-year-Analyst fragte mich sehr viel über meine Erfahrungen im Consulting und wollte meine Einschätzung zu den Unterschieden zwischen Consulting und Investmentbanking wissen. Des Weiteren ließ er mich aufmalen, wie sich diverse Multiples im Verhältnis zu Wachstum der Firma und Leverage (= Grad der Fremdfinanzierung) verhalten würden.

Das wohl angenehmste Gespräch führte ich mit einem Associate, der an derselben französischen Grande Ecole wie ich im Auslandssemester studierte. Da er Franzose war und ich mein Französisch als „fließend“ im CV eingestuft habe, lag es auf der Hand, dass wir uns die erste Viertelstunde auf Französisch unterhielten. Wir diskutierten viel über Interdisziplinarität, wobei er einen klaren Punkt gemacht hat: Die schönen Künste bringen einem im Investmentbanking wenig Fachliches, sondern lediglich die Reife – und in unserem Fall offenbar die Sympathie und den Draht zueinander. Das verführte ihn zu seiner weitergehenden Aussage, als ich ihn fragte, warum ich nichts Technisches gefragt würde: Wenn er mich mögen würde, sähe er kein Problem darin, mir in kürzester Zeit alles, was ich im M&A bräuchte, beizubringen.

 

Nach der Einladung nach London freute ich mich auf weitere Gespräche, um so die Firma besser kennen zu lernen. Das Konzept im Investment-banking-Bewerbungsprozess scheint zu einem Großteil darin zu bestehen, dass man möglichst viele Mitarbeiter kennen lernen soll, damit beide Seiten feststellen können, ob es passt. Nach kurzer Einführung gab es einen Numerical Test. Ich hatte mich bei mehreren Banken beworben und empfand diesen Test als nicht mehr und nicht weniger anspruchsvoll als die anderen Tests, aber der Zeitdruck war exponentiell höher. Man teilte mir im Telefon-Feedback mit, dass ich mit 70 % ein gutes bis sehr gutes Ergebnis hatte.

 

Darauf folgte eine Art Gruppendiskussion, in der Cases diskutiert wurden. Diese hatten rein gar nichts mit M&A oder Banking zu tun. Ein Szenario war beispielsweise ein Flughafen. Zwei Morgan-Stanley-Analysten beobachteten uns während der Diskussion. Es waren mehrere kleine Cases gegeben, die besprochen wurden, so dass gegen Ende der Diskussion Empfehlungen für alle Cases abgegeben werden sollten. Sich hier aufzuspielen, bringt rein gar nichts. Wenn man meint, dass die Diskussion in die falsche Richtung geht, sollte man sich überlegen, wie man sich am klügsten einklinkt. Oft fällt dies einem so schwer, dass man nicht zum Zug kommt, was aber nicht schlimm ist, solange im Verlauf der anderen Cases klar wird, dass man durchaus auch in der Lage ist, Diskussionen in eine andere Richtung zu lenken, wenn es angebracht ist.

 

Nach der Gruppendiskussion hatte ich wieder drei Einzelgespräche – ganz im Stil wie in Frankfurt. Ich lernte zwei Associates und sogar einen Managing Director kennen. Eine interessante Frage war, welchen Multiple ich benutzen würde, um im Dotcom-Boom eine Internetfirma zu bewerten. Dabei war es wichtig zu berücksichtigen, welche Finanzkennziffer am zuverlässigsten sein könnte. Da die meisten Internet-firmen exorbitant viel für Marketing ausgegeben haben, wäre z. B. ein Multiple mit „EBITM“ (Earnings before Interest, Tax and Marketing) im Nenner angebracht gewesen.

 

Nach den drei Einzelgesprächen erwartete mich noch eine Fallstudie mit einem weiteren Analysten. Grundsätzlich sollte ich hier nur eine Unternehmensbewertung vornehmen und die hierfür nötigen Daten erfragen.

 

Tipps / Eindrücke:

 

Feedback gab es erst 1,5 Wochen nach den Interviews, dafür war es sehr ausführlich und ging auf jeden einzelnen Abschnitt des AC ein.

Ich würde jedem zukünftigen Bewerber dazu raten, sich genau zu überlegen, in welcher Division er arbeiten möchte. Viele gehen mit einer vagen Idee von M&A in die Interviews und bewerben sich ausschließlich hierfür, obgleich es viele Möglichkeiten gibt, sich in einer Investment-bank einzubringen und zu entfalten.


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