J.P. Morgan (M&A)
Zeitpunkt des Interviews: Juni 2004
Stelle: Praktikant im M&A Advisory
Allgemeines zum Bewerbungsprozess:
Zunächst muss man ein Online-Bewerbungsformular auf der Website von J.P. Morgan ausfüllen. Es ist recht umfangreich, und man sollte sich die Antworten auf die offenen Fragen gut überlegen. Wie ein Bewerber berichtet, meldete sich dann nach zwei Wochen jemand aus der Personalabteilung, um ihn zu einer ersten Bewerbungsrunde nach London (bei anderen war es zunächst Frankfurt) einzuladen. Dieser Termin dauert ca. drei Stunden und besteht aus drei Teilen.
Ablauf Interviews / konkrete Fragen:
Im ersten Teil ist ein Numerical Test mit 28 Aufgaben innerhalb von 25 Minuten zu bearbeiten. Auf die Art der Fragen kann man sich mit dem Probetest auf der JPM-Website vorbereiten. Dort erfährt man auch, dass 18 richtige Antworten von 28 erwartet werden. Weitere Übungstests gibt es auf der Website von SHL (www.shl.com).
Der zweite Teil besteht aus einer Gruppenübung: Man bekommt einen Case vorgelegt, die Vorbereitungszeit beträgt 15 Minuten. Beispielsweise kann es um einen Fall aus dem Bereich M&A gehen: Firma A ist in den USA erfolgreich und möchte durch eine Akquisition den europäischen Raum erschließen. Als potenzielle Übernahmekandidaten kommen die Firmen B, C und D in Frage. Die Gruppe hat 30 Minuten Zeit, um sich in einer Diskussion (anwesend sind auch drei aufmerksame JPM-Mitarbeiter) für eine Firma zu entscheiden. Es empfiehlt sich, seine Meinung klar und deutlich zu äußern, ohne sich in den Vordergrund zu drängen (Qualität vor Quantität). Seinen Mitbewerbern sollte man nicht unnötig ins Wort fallen.
Ein weiterer Case wurde einem anderen Bewerber in einem Einzelgespräch gestellt: Der CEO von BMW kommt zu Ihnen und möchte die Autosparte abstoßen, um sich nur noch auf die Produktion von BMW-Fanartikeln (Regenschirme, Schlüsselanhänger etc.) zu konzentrieren. Sie wissen, dass die Idee schwachsinnig ist, sie könnte jedoch für JPM einen großen Deal mit hohen Einnahmen bedeuten. Empfehlen Sie Ihrem Vorgesetzten, den Auftrag anzunehmen? Ohne zu zögern, sollte man hier antworten, dass man das Angebot ablehnt, da sich jede andere Entscheidung nachteilig für den Kunden auswirken würde. Der Interviewte sollte gar nicht erst abwägen. Der Grundsatz „Client first“ ist absolut zu beachten.
Der dritte Teil beinhaltet zwei Einzelgespräche, die sich in drei Abschnitte gliedern: Interviewer und Bewerber stellen sich kurz vor, dann werden Fragen an den Bewerber gestellt und zuletzt hat man die Möglichkeit, selbst Fragen über das Praktikum und JPM zu stellen. Den Anfang des Interviews sollte man nutzen, um sich möglichst strukturiert und prägnant in einem positiven Licht zu präsentieren.
Im zweiten Teil des Interviews werden häufig Fragen zur Unternehmens-bewertung gestellt, z. B.: Wie berechnet sich der Enterprise Value? Was ist der Vorteil von einem Multiple (EV/EBITDA) im Vergleich zu einem anderen Multiple (P/E)? Darüber hinaus wird aber auch gefragt: Was passiert, wenn wir Ihnen keinen Praktikumsplatz anbieten? Haben Sie sich bei anderen Investmentbanken beworben? Warum wollen Sie ein Praktikum im Investmentbanking machen? Warum bei JPM? Den Personalern ist schon bewusst, dass man sich noch bei anderen Banken beworben hat. So kann man ruhig ein paar ebenbürtige Konkurrenten nennen, die man sicherheitshalber auch angegangen ist, falls man bei seinem „Wunsch-Unternehmen“ nicht genommen wird. Zu diesen eher allgemeinen Fragen gibt es auch auf der Website von JPM einige Informationen, die man für seine Antworten nutzen kann. Wichtig ist zudem, sich über die letzten großen M&A Deals von JPM zu informieren (JPM Website, Lexis Nexis, Factiva).
Hat man diese erste Runde erfolgreich gemeistert, wird man kurze Zeit später zu einem zweiten Termin nach London eingeladen. Dieser ähnelt der ersten Runde sehr, es kann nur sein, dass manchmal etwas andere Schwerpunkte gesetzt werden und bestimmte Fähigkeiten stärker oder schwächer abgeprüft werden.
Tipps / Eindrücke:
Die Interviews können sehr unterschiedlich ausfallen. Brainteaser-Aufgaben werden nicht immer gestellt. Dafür kommen manchmal auch Fragen zur jeweiligen Diplomarbeit. Eine gründliche Vorbereitung auf das Interview ist sicherlich die entscheidende Vorraussetzung für einen erfolgreichen Ablauf. Man sollte sich nicht einschüchtern lassen und (kleine) Wissenslücken zugeben können. Insgesamt wurde die Interview-Atmosphäre als angenehm empfunden, die Fragestellungen waren stets nachvollziehbar.