Greenhill (M&A)
Zeitpunkt des Interviews: Februar 2004
Stelle: Praktikant im M&A
Allgemeines zum Bewerbungsprozess:
Ein squeaker.net-Mitglied berichtet:
Die Boutique Greenhill dürfte in Deutschland noch nicht allzu bekannt sein. So hat mich auch erst ein Freund auf diese kleine, aber extrem feine Boutique aufmerksam gemacht, die Büros in Frankfurt, London und New York hat. Greenhills große Stärke besteht in der überwältigenden Zahl an senioren Mitarbeitern mit enormem Erfahrungsschatz (meistens aus vorangegangener Erfahrung bei Investmentbanken wie Merrill Lynch oder Goldman Sachs). Dies sollte sich auch in den Gesprächspartnern widerspiegeln, so interviewte ich u. a. mit einem Managing Director aus New York. Da Greenhill sehr individuell rekrutiert, ist ein standardisierter Bewerbungsablauf nur schwer zu beschreiben. Eine Woche nach Einsendung meiner Bewerbungsunterlagen wurde ich ins Büro nach Frankfurt eingeladen. Ich führte drei Gespräche und in einer zweiten Runde noch einmal vier, womit ich fast alle Professionals aus dem Frankfurter Büro kennen gelernt habe.
Ablauf Interviews / konkrete Fragen:
In der ersten Runde traf ich zunächst auf einen Analysten, der mich mit zwei Brainteasern konfrontierte (beide sehr zahlenlastig). Des Weiteren fragte er mich einige Multiples und ihre Bedeutung ab. Ich sollte Multiples miteinander vergleichen, wobei klar wurde, dass es industriespezifische Unterschiede gibt, die durch die Benutzung unangemessener Multiples untergingen. Ich muss hinzufügen, dass die technischen Fragen am Ende gar nichts waren im Gegensatz zu den Brainteasern, bei denen mich der doch recht junge Analyst unter Druck gesetzt hat. Hinzu kommt, dass das Interview, obgleich mein Gegenüber deutscher Abstammung war, auf Englisch geführt wurde.
Mit klitschnassen Händen verabschiedete ich meinen ersten Interviewer und wartete auf den nächsten. Es kam ein Associate herein. Ich führte mit ihm ein sehr interessantes Gespräch, denn er erzählte mir ausführlich von seiner Zeit bei einer großen Investmentbank, bei der er drei Jahre lang als Analyst im M&A gearbeitet hatte. Er antwortete mir wirklich sehr ausführlich auf meine Fragen bzgl. seines Ausstiegs bei der Investmentbank zwecks Einstieg bei Greenhill. Nichtsdestotrotz musste ich danach an die Arbeit und durfte mit ihm eine Eigenkapitalerhöhung diskutieren. Dabei galt es, möglichst fix den Mischkurs oder die Bezugsrechte auszurechnen.
Der dritte Interviewer war ein Principal, der das Frankfurter Büro mit seinen eigenen Händen mit aufgebaut hat. Er konnte sehr viel von dem „Start-up“-Feeling vermitteln, das Greenhill ganz offensichtlich ausmacht. Seiner Seniorität entsprechend ging er mit mir keine technischen Details der Unternehmensbewertung durch, sondern wollte meine persönliche Motivation, bei Greenhill anzufangen, abklopfen. Des Weite-ren ging er meinen Lebenslauf recht rigoros durch und machte sich sehr viele Notizen dabei – selbst meine Musterung mit T5 wurde vermerkt …
Einige Wochen später flog ich wieder nach Frankfurt für die zweite Runde. Diesmal führte ich vier Interviews, davon das erste mit einem Alumnus meiner Hochschule, der mich bat, eine Kaufhauskette mittels Multiples zu bewerten. Hierbei musste ich mich zu den relevanten Daten durchfragen und die Ergebnisse der Multiple-Bewertung interpretieren.
Das nächste Interview führte ich mit einem weiteren Associate, der mich ehrlich danach fragte, welche technischen Details ich schon mit Kollegen in den vorangegangenen Interviews besprochen hatte, so dass das Durchsprechen der DCF-Modellierung übrig blieb. Ich sollte das Modell erklären und darlegen, wie man den Diskontierungssatz ermittelt (WACC bei Free Cash Flows to the Firm, Eigenkapital-Kosten bei Cash Flows to Equity etc.).
Als vorletzten Interviewpartner lernte ich einen Managing Director aus New York kennen, der mit mir über alle „odds“ im Lebenslauf sprach – z. B. über meine Ausarbeitungen zum Thema Filmanalysen. Des Weiteren stellte er mir noch einen Brainteaser, nämlich: Was ist die Summe aller Zahlen von 1 bis 100? Der gute Gauß hat das Problem einst gelöst, indem er die Zahlenreihe aufteilte, 1 und 100 zu 101 addierte, 2 und 99 etc., so dass die Lösung 50 x 101 = 5050 lautet.
Mein letztes Interview führte ich mal wieder auf Englisch – und zwar mit einem Vice President, der mich explizit darum bat, ihm darzulegen, wo ich die Unterschiede zwischen Consulting und Investmentbanking sähe.
Tipps / Eindrücke:
Interviewt man mit einer Boutique, so ist das Commitment von beiden Seiten garantiert. Man lernt sehr viele Professionals kennen und kann dabei – angesichts der Seniorität so mancher Interviewpartner – extrem viel dazulernen. Das Feedback war umfassend, und man findet sich darin sehr gut wieder.