Goldman Sachs (M&A)


Stelle: Praktikant im M&A

 

Allgemeines zum Bewerbungsprozess:

 

Ein squeaker.net-Mitglied berichtet:

Ich bewarb mich nach einer Unternehmenspräsentation von Goldman Sachs für eine erste Interviewrunde, die am Campus stattfand. Kurze Zeit nach Absenden meiner Unterlagen erhielt ich eine Einladung.

 

Ablauf Interviews / konkrete Fragen:

 

Die erste Interviewrunde fand also an meiner Hochschule statt. Sie bestand aus einem Gespräch mit zwei Vice Presidents (Investmentban-king, Fixed Income) und einer Recruiterin. Meinen Interviewpartnern ging es hauptsächlich darum, mich persönlich kennen zu lernen; Fachwissen aus dem Bereich Finanzen wurde nicht „abgefragt“. Unterhalten haben wir uns über verschiedene Positionen meines CV sowie einige Aussagen, die ich im Anschreiben meiner Bewerbung gemacht hatte. Weiterhin haben sie mich aufgefordert, ihnen in einem Rollenspiel das Unternehmen, bei dem ich im Sommer mein Praktikum absolviert hatte, zu verkaufen. Erwartet wurden Stellungnahmen zur strategischen Position des Unternehmens, Finanzkennzahlen und Entwicklungsaussichten. Des Weiteren haben mir die beiden erläutert, womit sie sich täglich beschäftigen, was sie an ihrem Job begeistert und was potenziell kritische Punkte sind. Das gesamte Gespräch lief in einer sehr positiven und überaus angenehmen Atmosphäre ab.

 

Eine weitere Frage war, ob ich mir vorstellen könnte, eventuell auch in einer anderen Division (in der Online-Bewerbung kann man sich für zwei Divisionen bewerben) ein Praktikum zu absolvieren. Bewerber scheinen sich prinzipiell mehr für Investmentbanking zu interessieren. Bei Fixed Income scheint auf Grund des geringeren Bekanntheitsgrades und des Rufes, sehr „mathematisch“ geprägt zu sein, eine größere Hemmschwelle für Bewerbungen zu bestehen. Etwa eine Woche später wurde ich zur zweiten Interviewrunde in Frankfurt eingeladen. Auf der Basis der Eindrücke des ersten Gesprächs wurde entschieden, für welche Division ich nun weiter interviewt werden würde.

 

In Frankfurt habe ich fünf Interviews (30-45 Minuten), drei davon auf Englisch, durchlaufen.

 

Unter anderem ging es um folgende Themen:

 

  • Warum Investmentbanking? Warum Goldman Sachs? Auf diese beiden Fragen sollte man auf jeden Fall eine vorbereitete, überzeugende Antwort haben. Gerne wird auch mal nachgebohrt und das Gesagte kritisch hinterfragt. Den Interviewpartnern geht es darum zu überprüfen, ob der Bewerber sich wirklich mit der Tätigkeit des Investmentbanking und dem Unternehmen GS auseinander gesetzt hat. Ich hatte den Eindruck, dass man sehr darauf bedacht ist, Personen herauszufiltern, die sich nur auf Grund des Namens bzw. einer sehr vagen Vorstellung von „M&A“ bewerben.
  • Größere IPOs / M&A Deals in den letzten 12 Monaten? In welchen Sektoren erwartest du in den nächsten Jahren verstärkte Aktivitäten im Bereich M&A? Einige Fragen also, um abzutasten, ob sich der Bewerber wirklich für das Gebiet interessiert.
  • Wie würden deine Freunde dich beschreiben?
  • Einige generelle Finanzfragen wie z. B. die möglichen Einflussfaktoren/Auswirkungen einer Akquisition auf das KGV des kaufenden Unternehmen. Es wurde – zumindest in meinen Interviews - wenig spezielles Finance-Wissen abgefragt. Die Fra-gen oder Cases waren vielmehr strategisch geprägt und zielten darauf ab zu sehen, wie der Kandidat das Problem angeht und ob Interesse an und damit ein gewisses Verständnis von allgemeinen betriebswirtschaftlichen Fragen besteht. Von Kommilitonen  habe ich allerdings schon gehört, dass auch nach speziellem Finance-Wissen gefragt wurde.

 

Zumeist besteht jedes Gespräch aus einem CV-bezogenen Teil und einem analytischen bzw. fachlichen Teil. Diese Struktur wird aber von den Interviewern sehr flexibel ausgelegt.

 

Ich hatte den Eindruck, dass man gute Finance-Kenntnisse voraussetzt und gleichzeitig davon überzeugt ist, dem geeigneten Bewerber noch fehlendes Wissen „on the job“ problemlos vermitteln zu können. Daher ging es aus meiner Sicht in den Interviews vielmehr darum abzutasten, ob der Bewerber persönlich zu GS passt. Zudem soll auch dem Bewerber die Chance gegeben werden, die Personen hinter dem Namen GS kennen zu lernen und im Gegenzug festzustellen, ob GS zu ihm passt. Inzwischen gibt es auch noch einen Numerical Test, der aus einer „verbal section“ und einer „analytical section“ besteht. Dieser wurde aber erst nach meiner Bewerbung eingeführt.

 

Tipps / Eindrücke:

 

Locker bleiben, engagiert, interessiert und motiviert auftreten. Ich hatte zu 100 % den Eindruck, dass die Persönlichkeit zählt; dies hat mich sehr beeindruckt. Gewöhnungsbedürftig (in den deutschen Interviews) war für mich, meine Interviewpartner zu duzen. Man gewöhnt sich aber schnell daran, und es trägt zu einer sehr lockeren Atmosphäre bei.  Viele Fragen vorbereiten. Jeder Interviewpartner wird viel Zeit für Fragen geben. Bei fünf Interviews reichen spontane Eingebungen dann schon nicht mehr aus. Wenn einem die Fragen ausgehen, kann das schnell mal als mangelndes Interesse ausgelegt werden.


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Finance Insider