Die Interviews / Der Personal Fit
Der Personal Fit – oft erzählt man sich davon, wie wichtig es ist, mit den Kollegen auszukommen. Das gilt besonders, wenn man mit den Kollegen auch noch 80 Stunden und mehr pro Woche verbringt – wie im Investmentbanking. Bewirbt man sich für ein Praktikum oder einen Job in einer Investmentbank, dann erinnert das oft an die Sportstunden in der Schule, wenn die Mannschaften ausgewählt worden sind. „Will ich den in meinem Team haben?“, fragt sich so mancher Staffer einer Investmentbank-Abteilung, wenn der Kandidat ihm im Einzelgespräch gegenübersitzt.
Worauf kommt es hier an? Vor allem auf den Kandidaten und seine Persönlichkeit. Nachfolgend stellen wir eine den Beginn einer Interviewsituation, insbesondere die Fragen des Interviewers, nach, die wir einzeln und nacheinander kommentieren. Der Kandidat befindet sich in einem Interview mit einem Associate der fiktiven „Dealmaker“ Bank.
Interviewer: Willkommen bei Dealmaker. Mein Name ist Danny Dealmaker. Um mich vielleicht kurz vorzustellen, ich habe an der Business School in Vallera studiert, im letzten Studienjahr ein Praktikum bei Dealmaker gemacht und arbeite seitdem im M&A, mittlerweile im vierten Jahr. Wie steht es mit Ihnen?
Hinweise für den Kandidaten: Der Interviewer hat sich kurz vorgestellt. Das bedeutet zwar nicht, dass der Kandidat sich genauso kurz halten muss, aber eine Vollversion des Lebenslaufs braucht er auch nicht abzuliefern. Dennoch sollte man sich die Zeit nehmen zu erklären, was man wo studiert hat, woher die praktischen Erfahrungen kommen, kurz: man sollte versuchen zu erklären – nicht zu rechtfertigen – warum man jetzt vor dem Interviewer in der Investmentbank sitzt, und sich selbst als Person präsentieren, die Interesse weckt und etwas zu erzählen hat.
Interviewer: Warum Investmentbanking?
Hinweise: Sie arbeiten gern mit smarten Menschen zusammen – egal, wie lange. Investmentbanking wird oft auch als besonders intensiv umschrieben. Des Weiteren sind Sie firm im Umgang mit Zahlen, suchen gerne nach der besten Lösung für den Kunden und denken unternehmerisch. Unternehmerisches Denken ist insofern gefragt, als dass es Quartale gibt, in denen sehr viele Pitches (eine Art Bewerbung einer Bank, sich einer Fusion annehmen zu dürfen) durchgeführt werden. Wer da nicht unternehmerisch denkt und das Ziel des nächsten Auftrags im Auge hat, dessen Motivation wird möglicherweise schnell nachlassen. Und das drückt auf die Stimmung im Team, was sich eine Investmentbank, die versucht, so effizient wie möglich zu arbeiten, nicht leisten kann.
Interviewer: Sehr schön. Was mir allerdings aufgefallen ist: Sie haben noch keine praktischen Finance-Erfahrungen. Was also hat Sie nun dazu veranlasst, sich bei einer Investmentbank zu bewerben?
Hinweise: Noch nie bei einer Bank ein Praktikum absolviert? Keinen Wettbewerb in Finanzwirtschaft gewonnen? Kein Problem. In jedem Job gibt es quantitative Module – beispielsweise in der Unternehmensberatung. Hier macht es Sinn, Leidenschaft für Zahlen in den Vordergrund zu stellen und klar herauszustellen, dass man sich mit Finance nicht mehr nur am Rande beschäftigen möchte. Doch Vorsicht: Wer übertreibt, ist vielleicht fehl am Platze! In einer Investmentbank werden nur selten Quantenphysiker und High-Fly-Mathematiker gesucht, obgleich quantitative Fähigkeiten ein wichtiges Kriterium darstellen. Im M&A beispielsweise besteht die Herausforderung eher darin, einen guten Überblick über die vielen Zahlen zu behalten und sie fix analysieren zu können.
Interviewer: Warum Dealmaker?
Hinweise: Gute Frage. Womöglich eine der gängigsten und zugleich wichtigsten. Es ist absolut unerlässlich, sich über die Investmentbank, bei der man sich bewirbt, zu informieren – zum Beispiel an Hand der Informationen auf dieser Seite. Sehr gut sind stets auch Hinweise auf Präsentationen der jeweiligen Bank an der Hochschule, wo man erste Kontakte geknüpft hat und eine bestimmte Investmentbank einem an sympathischsten war.
Interviewer: Aha. Und warum nicht Dealmaker?
Hinweise: Geschockt? Am besten ist es, diese Frage ehrlich zu behandeln. Gibt es Vorurteile gegenüber der Bank, die anfangs für Bedenken gesorgt haben? Des Weiteren: Nicht jeder Deal gelingt – wer sich im Vorfeld sehr gut über die Deal History der Investmentbank informiert hat, kann vielleicht einige Geschehnisse der Vergangenheit nennen, die gegen eine bestimmte Bank sprechen, sei es ein weniger glücklich verlaufener Merger oder eine strategische Krise der Führungsspitze der Bank. Unterm Strich sollte aber klar sein: Der Kandidat steht zu seiner Bewerbung, kennt die Bank angemessen gut und vor allem die Unterschiede zur Konkurrenz.
Ein erstes Gefühl für die Interviews bekommen? Wichtig ist es also, informiert zu sein und sich mit der Situation des Interviews vertraut gemacht zu haben. Empfehlen können wir das erneut "Das Insider-Dossier: Bewerbung bei Investmentbanken". Aber werfen Sie auch auf unsere weiteren Literaturtipps.
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